Treatwell verlangt von Salons eine Provision von 35 % auf die erste Buchung jeder Neukundin, die über den Marktplatz kommt; Folgebuchungen derselben Kundin und alle Buchungen, die Sie selbst gewinnen, sind provisionsfrei. Dazu kommen eine monatliche Grundgebühr, deren Höhe Treatwell nicht öffentlich nennt, und rund 2 % auf Online-Vorauszahlungen. Ob sich das lohnt, hängt an einer einzigen Frage: Wie viele Ihrer Treatwell-Kundinnen hätten Sie ohne den Marktplatz nie gefunden?
Wie das Provisionsmodell von Treatwell rechnet
Treatwell ist im Kern ein bezahlter Vermittler, der auf einer Buchungssoftware aufsetzt. Entdeckt eine neue Kundin Ihren Salon über die Treatwell-App oder -Website und bucht dort, fallen 35 % auf diese erste Buchung an. Bucht sie danach wieder, kostet das keine Provision mehr. Termine, die über Ihren eigenen Buchungsbutton, Telefon oder WhatsApp hereinkommen, sind ebenfalls ausgenommen.
Ein Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung: Vermittelt Treatwell im Monat 15 Neukundinnen mit einem Durchschnittsbon von 60 Euro, gehen rund 315 Euro Provision ab – zusätzlich zur Grundgebühr. Teuer wird es vor allem, wenn Stammkundinnen versehentlich über den Marktplatz statt über Ihren eigenen Link buchen und dort als „neu“ gezählt werden.
Die wichtigsten Alternativen zu Treatwell in Deutschland
Die Alternativen lassen sich in zwei Gruppen teilen: Plattformen, die ebenfalls Neukunden über einen Marktplatz vermitteln, und reine Buchungssoftware ohne Marktplatz, die eine feste Monatsgebühr kostet.
| Anbieter | Provision auf Neukunden | Monatliche Kosten | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Treatwell | 35 % der ersten Marktplatzbuchung | Grundgebühr, nicht öffentlich ausgewiesen | Größter Beauty-Marktplatz in Europa |
| Planity | 20–30 % auf Marktplatz-Neukunden | ca. 49–79 € pro Monat, 12 Monate Laufzeit | Marktführer in Frankreich, auch in Deutschland aktiv |
| Fresha | Einmalgebühr auf Marktplatz-Neukunden | 12,95 € allein, 8,95 € je Teammitglied | Zahlungsabwicklung 1,29 % + 0,20 € pro Transaktion |
| Salonized | keine (außer über die Treatwell-Anbindung) | 19 €, 35 € oder 55 € plus 7,50 € je weiterem Mitarbeiter | Starke Exportfunktionen, viele Zusatzmodule |
| Boona | keine | 2 US-Dollar plus 1 US-Dollar je weiterem Arbeitsplatz | Kein Marktplatz, die Kundenliste bleibt beim Salon |
Die Zahlen beruhen auf den öffentlichen Preisangaben der Anbieter; Zusatzpakete wie SMS, Kassenmodule oder Werbung auf dem Marktplatz kommen bei mehreren von ihnen hinzu.
Marktplatz oder eigener Buchungslink?
Ein Marktplatz ist dann sinnvoll, wenn ein Salon neu eröffnet, an einer Lage ohne Laufkundschaft liegt oder freie Kapazitäten hat, die er anders nicht füllt. Für einen etablierten Salon, dessen Kalender größtenteils aus Stammkundinnen besteht, ist die Provision dagegen oft der teuerste Posten der ganzen Software.
- Marktplatz behalten, wenn mehr als ein Drittel Ihrer Neukundinnen nachweislich über Treatwell kommt und Ihr Kalender sonst Lücken hätte.
- Auf eigene Software wechseln, wenn die meisten Buchungen von Stammkundinnen stammen oder neue Kundschaft ohnehin über Instagram, Google und Empfehlungen kommt.
- Beides kombinieren, wenn Sie Treatwell nur für bestimmte Leistungen sichtbar halten und alle übrigen Buchungen über den eigenen Link laufen lassen.
So gelingt der Wechsel ohne Kundenverlust
Der heikelste Punkt ist die Kundenliste. Exportieren Sie vor der Kündigung alle Kontakte, die Ihnen gehören, und prüfen Sie, welche Daten Treatwell als eigene Marktplatzkundschaft führt. Ersetzen Sie anschließend den Treatwell-Link überall durch Ihren eigenen: im Instagram-Profil, im Google-Unternehmensprofil, auf der Website und in Ihrer E-Mail-Signatur.
Ein Wechsel verliert auch dann weniger Kundinnen, wenn die neue Software vom ersten Tag an zuverlässig erinnert. Wie Bestätigungen und Erinnerungen aufgebaut sein sollten, beschreibt der Beitrag über automatische Terminerinnerungen für Salons.
Für kleinere Salons ohne Marktplatzbedarf ist Boona eine günstige Option: Die Software bietet Online-Buchung, Kundenkartei und Erinnerungen per E-Mail und Push für 2 US-Dollar im Monat plus 1 US-Dollar je weiterem Arbeitsplatz, ohne Provision und mit kostenloser Datenübernahme beim Umzug. Neukunden bringt Boona allerdings nicht von selbst – die müssen über die eigenen Kanäle kommen.
Welche weiteren Fragen bei der Wahl einer Salonsoftware wichtig sind, fasst die Übersicht Salonsoftware: Termine, Erinnerungen und Kundenbindung zusammen.
Häufige Fragen
- Fällt die Treatwell-Provision bei jeder Buchung an?
- Nein. Sie gilt nur für die erste Buchung einer Neukundin über den Marktplatz. Folgebuchungen und eigene Direktbuchungen sind provisionsfrei.
- Kann ich Treatwell kündigen und meine Kundendaten mitnehmen?
- Kundinnen, die Sie selbst angelegt haben, können Sie exportieren. Bei Marktplatzkundschaft sollten Sie vorab prüfen, welche Kontaktdaten Ihnen zur Verfügung stehen.
- Ist Fresha wirklich günstiger als Treatwell?
- Die Grundgebühr ist niedrig, aber auch Fresha berechnet für Marktplatz-Neukunden eine Gebühr und für Kartenzahlungen eine Transaktionsgebühr. Für Salons mit wenig Marktplatzbuchungen ist der Unterschied am größten.