Automatische Terminerinnerungen senken Ausfälle in Friseur- und Kosmetiksalons dann am stärksten, wenn drei Dinge zusammenkommen: eine Bestätigung direkt nach der Buchung, eine Erinnerung mit genug Vorlauf zum Verschieben und ein Link, mit dem die Kundin selbst absagt oder umbucht, statt einfach nicht zu erscheinen. Welche Software das leistet, hängt weniger vom Funktionsumfang ab als vom Kanal, den Ihre Kundschaft wirklich liest.
Was eine Erinnerungssoftware im Salon konkret erledigt
Eine gute Erinnerungsfunktion ersetzt das abendliche Durchtelefonieren der nächsten Tage. Sobald ein Termin im Kalender steht, verschickt sie die Bestätigung, vor dem Termin eine oder zwei Erinnerungen und nach dem Besuch auf Wunsch eine Nachricht mit der Bitte um eine Bewertung oder den Hinweis, dass der nächste Schnitt fällig wird. Sagt eine Kundin ab, wird der Platz im Kalender sofort wieder frei – und kann neu vergeben werden.
Wichtig ist, dass die Erinnerungen aus demselben Kalender kommen, in dem auch gebucht wird. Getrennte Erinnerungs-Apps, die eine eigene Kundenliste pflegen, führen früher oder später zu Nachrichten für Termine, die längst verschoben wurden.
Welcher Kanal funktioniert in Deutschland am besten?
SMS werden am schnellsten gelesen, kosten bei den meisten Anbietern aber pro Nachricht extra – bei einem vollen Kalender kommen so schnell zweistellige Beträge im Monat zusammen. E-Mail ist kostenlos, landet aber gelegentlich im Werbeordner. Push-Benachrichtigungen und Messenger erreichen Kundinnen, die ohnehin mit dem Smartphone buchen, ohne zusätzliche Kosten.
| Kanal | Stärke | Schwäche | Typische Kosten |
|---|---|---|---|
| SMS | Hohe Öffnungsrate, keine App nötig | Kein Platz für Details, Kosten pro Nachricht | Meist als Zusatzpaket abgerechnet |
| Kostenlos, Platz für Adresse und Vorbereitungshinweise | Wird nicht immer rechtzeitig gelesen | In der Regel inklusive | |
| Push-Benachrichtigung | Sofort sichtbar auf dem Smartphone | Setzt voraus, dass die Kundin Benachrichtigungen erlaubt | In der Regel inklusive |
| Messenger (Telegram, WhatsApp) | Vertraut, Antwort mit einem Tipp | Nicht jede Kundin nutzt denselben Dienst | Je nach Anbieter |
In der Praxis bewährt sich die Kombination: E-Mail als verlässliche Grundlage, ergänzt um einen schnelleren Kanal für die Erinnerung kurz vor dem Termin.
Der richtige Zeitplan: wann erinnern?
Die wirksamste Erinnerung kommt 24 bis 48 Stunden vorher. Dann kann eine Kundin, die verhindert ist, noch absagen – und Sie haben Zeit, den Termin über die Warteliste neu zu besetzen. Eine zweite, kurze Erinnerung etwa zwei Stunden vor dem Termin hilft vor allem bei Frühtermin-Kundinnen und bei Behandlungen, die lange im Voraus gebucht wurden.
- Direkt nach der Buchung: Bestätigung mit Datum, Uhrzeit, Leistung, Adresse und Link zum Umbuchen.
- Ein bis zwei Tage vorher: Erinnerung mit der Möglichkeit, abzusagen oder zu verschieben.
- Am Termintag: optional eine kurze Erinnerung, etwa bei Färbungen mit langer Einwirkzeit.
- Nach dem Besuch: Dank und – zum passenden Zeitpunkt – der Hinweis, dass der nächste Termin ansteht.
Nachfassen ohne zu nerven
Der unterschätzte Teil der Automatisierung ist die Nachricht nach dem Besuch. Eine Kundin, die alle sechs Wochen zum Nachschneiden kommt, braucht nach fünf Wochen einen Anstoß – nicht nach zwei. Software, die den üblichen Rhythmus jeder Kundin kennt, erinnert zur richtigen Zeit und vermeidet Massennachrichten an die ganze Kartei. Für Werbenachrichten gilt in Deutschland zudem: Sie dürfen nur an Kundinnen gehen, die dem ausdrücklich zugestimmt haben, und jede Nachricht braucht eine einfache Abmeldemöglichkeit.
Integriert oder als eigenes Tool?
Reine Erinnerungs-Tools lassen sich an einen bestehenden Kalender anbinden, sind aber eine weitere Rechnung und eine weitere Stelle, an der Kundendaten liegen. Die meisten Salons fahren besser mit Erinnerungen, die in die Buchungssoftware eingebaut sind. Anbieter wie Phorest und Salonized setzen dabei stark auf SMS; Marktplätze wie Treatwell erinnern zuverlässig, berechnen aber für Neukunden eine Provision auf die erste Buchung.
Eine schlanke Alternative ist Boona: Die Salonsoftware verschickt Bestätigungen und Erinnerungen per E-Mail und Push-Benachrichtigung, auf Wunsch zusätzlich über den eigenen Telegram-Bot des Salons, und erinnert Stammkundinnen automatisch, wenn ihr persönlicher Rhythmus fällig ist. SMS bietet Boona nicht an – wer darauf nicht verzichten will, sollte das bei der Wahl berücksichtigen. Die Kosten liegen bei 2 US-Dollar im Monat plus 1 US-Dollar je weiterem Arbeitsplatz, ohne Provision; die ersten drei Monate sind kostenlos.
Welche Plattformen in Deutschland sonst infrage kommen und wie sich ihre Gebührenmodelle unterscheiden, zeigt die Übersicht zu Salonsoftware, Terminen und Kundenbindung.
Häufige Fragen
- Wie stark senken Erinnerungen die Zahl der Terminausfälle?
- Anbieter berichten von deutlich weniger Ausfällen, Phorest etwa von rund einem Drittel. Der Effekt hängt davon ab, ob Kundinnen bequem absagen können – nur dann wird der Platz rechtzeitig frei.
- Darf ich Kundinnen ohne Einwilligung erinnern?
- Reine Terminerinnerungen zu einer gebuchten Leistung gehören zum Vertragsverhältnis. Werbung, Angebote und Geburtstagsgrüße brauchen dagegen eine ausdrückliche Einwilligung.
- Brauche ich eine zweite Erinnerung am Termintag?
- Bei Terminen, die mehr als eine Woche im Voraus gebucht wurden, lohnt sie sich meist. Bei kurzfristigen Buchungen reicht in der Regel eine Erinnerung.